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Abschied von Pergamon

Am Dienstag, 24.07.2018, musste ich schweren Herzens von meinem Lieblingspferd Pergamon Abschied nehmen.
Der Trakehner Pergamon, Vater Sir Shostakovich xx, Mutter von Patron, war 27 Jahre lang mein treuer Begleiter. Seine starke Persönlichkeit ebenso wie seine Schönheit und Güte waren ein besonderes Geschenk.
Pergamon ist das letzte Pferd, das schon 1997 als das DIPO als erste Ausbildungsstätte für Pferdeosteotherapeuten in Deutschland gegründet wurde, auf dem Hof lebte.

Mit dreieinhalb Jahren absovlierte er seine erste Materialprüfung, in der wir den 2. Platz belegten. Pergamon lernte Traversalen und fliegende Galoppwechsel, doch dann stellten sich Hufprobleme ein, die wir trotz diverser orthopädischer Spezialbehandlungen nicht in den Griff bekamen. Als ein Tierarzt, der ausgewiesener Hufspezialist war, mir nach Betrachten der Röntgenbilder sagte: „Pergamon hat keine Strahlbeine, er hat zwei Schweizer Käse, so durchlöchert sind sie.“ war die Entscheidung für mich gefallen, dass er keine Turniere mehr absolvieren sollte, obwohl er bis zur Klasse M ausgebildet war.
Der Tierarzt empfahl, die Hufeisen abzunehmen und ihn barhuf gehen zu lassen, um so den Hufmechanismus optimal zu erhalten. Zu dem Zeitpunkt war Pergamon 12 Jahre alt und für ihn begann damit eine sicherlich genussvolle Zeit; denn erstaunlicherweise ging er unbeschlagen sehr gut. Er wurde nicht strapaziert, Turniere musste er nicht mehr gehen, aber fliegende Galoppwechsel und Traversalen zu Hause zu reiten machte Freude und weil ich die Pferde auf Gruppenhaltung umgestellt hatte, hatte Pergamon auch seine Aufgabe als Herdenchef gefunden. Meine selbstgezogene Stute Wilhelmine und Wallach Siam wurden von ihm erzogen und parierten auf seinen leisesten Wink. Denn das war Pergamon. Er ließ sich nie auf plumpe Halbstarkenkämpfe ein, er regelte alles unaufwendig schon im Vorhinein.

Das bekamen auch die Kursteilnehmer zu spüren, die von Pergamon durchaus auf ihre Fähigkeiten hin überprüft wurden. Wenn jemand nicht wusste wie ein Vorderbein aufgenommen wird, stand er einfach auf vier Beinen und es tat sich nichts. Es ging keinerlei Aggression von ihm aus, aber er stand einfach da. Er stand.
Griff jemand unsicher und zu unbestimmt sein Hinterbein, schüttelte er ihn mit einem leichten Kick zur Seite, der sich aber niemals gezielt auf den Menschen richtete und er stand wieder da. Wenn ich ihn dann zur Räson rief und ihn daran erinnerte, dass auch er Heu und Hafer mit Anstand zu verdienen habe, ging auf einmal alles wie am Schnürchen.
Bemerkenswert ist auch, dass Pergamon niemals in seinem Leben einen Reiter abgeworfen hat. Jung und Alt konnten aufsitzen und er trug jeden in majestätischer Reserviertheit durch die Reithalle oder über das Außenviereck.

In den letzten drei Jahren wurde ihm das Gruppenleben mit den anderen Pferden zu anstrengend. Ich merkte, dass er seine Ruhe haben wollte und deshalb bekam er eine eigene Box mit eigenem weiträumigem Rasenpaddock, das an die Gruppenboxen angebaut wurde. Wir legten es so an, dass er großzügigen Kontakt mit Fell- und Mähnenpflege über die Boxenwand hinweg hatte und sich dann aber auch zurückziehen konnte, wenn er wollte.
Als er am Dienstagmorgen in seiner Box lag und nicht mehr aufstehen wollte, war mir klar, dass sein Kreislauf versagte und er die eingetretene Hitzeperiode nicht überstehen würde. Unser Tierarzt, der ihn gut kannte und der ihm schon einmal nach einer heftigen Verletzung über dem Auge das Leben gerettet hat, hat ihn dann würdevoll eingeschläfert.
Es ist sehr schwer von einem so guten Freund Abschied nehmen zu müssen. Gleichzeitig bin ich erfüllt und dankbar so viele Jahre ein so gutes Pferd an meiner Seite gehabt zu haben.
Ich habe meinen Frieden, weil ich weiß, dass ich ihm ein pferdegerechtes Leben bieten konnte, in dem er Aufgaben hatte und viele Kursteilnehmer werden ihn als außergewöhnliche Pferdepersönlichkeit in achtbarer Erinnerung halten.





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