Die Physiotherapie ist zwar verwandt mit der Osteotherapie, widmet sich aber nicht so spezifisch wie diese den Manipulationen der Gelenke und beinhaltet auch nicht die Kraniosakrale Therapie. Auch die aus der Humanosteopathie bekannte Mobilisierung der inneren Organe gibt es in der Physiotherapie so nicht.
Die Physiotherapie richtet ihr Augenmerk auf die Funktion der Weichteile (Muskeln, Sehnen, Bänder, Faszien u.s.w.), die bekanntlich Gelenke bewegen. Etwas vereinfacht kann man sagen, dass Muskeln aus einem Knochen herauswachsen, über ein Gelenk ziehen und in den benachbarten Knochen wieder hineinwachsen. Somit sind Gelenkbeweglichkeit und Muskelfunktion von einander abhängig.
Der Muskel wird über Durchblutung ernährt. (Ganz anders also als das Gelenk. Es hat einen Knorpelüberzug. Für seine Ernährung sorgt die in der Gelenkkapsel produzierte Gelenkflüssigkeit. Sie wird bei jeder Bewegung regelrecht in den Knorpel hinein gedrückt.)
Kleine Blutgefäße, die Kapillaren, durchziehen den Muskel. Sie enden im Gewebe, das jede einzelne Zelle umschließt. Es heißt extrazelluläre Matrix (EZM). Man kann sagen, dass die Kapillaren ihre Nährstoffe in die EZM ergießen.
Aus der extrazellulären Matrix (EZM) werden die Nährstoffe aus dem Blut durch die halbdurchlässige Zellmembran in das Zellinnere geleitet und umgekehrt die Abfallprodukte des Zellstoffwechsels aus der Zelle hinaustransportiert und weiter abgeleitet.
Diese Prozesse können nur dann ungehindert ablaufen, wenn die Beweglichkeit der Gewebe gewährleistet ist und das extrazelluläre Gewebe selber in einem guten Flüssigkeitszustand ist. Ein verkürzter, verspannter oder vernarbter Muskel drückt die Kapillaren ab und behindert damit die Nährstoffzufuhr in das extrazelluläre Gewebe. Je gelartiger (klebriger) es ist, umso schlechter ist der Nährstoffaustausch und Abtransport. Je solartiger (flüssiger) es ist, umso besser geschieht dieser Austausch. Grundbedingung für einen guten Stoffwechsel ist natürlich eine gute Blutqualität, die über eine entsprechende Ernährung erreicht wird. Genügend Bewegung, Sauerstoff und Licht sind ebenfalls Voraussetzung für diese Funktion.
Die Physiotherapie setzt diverse manuelle Mobilisierungen, Muskeldehnungen und andere medizinische Handgrifftechniken zur Lockerung der verschiedenen Gewebsstrukturen ein. Sie hat das Ziel, sowohl die Durchblutung des Muskels zu optimaler Funktion zu bringen, als auch die Nerven, die sich ebenfalls durch alle Gewebeschichten ziehen.
Wichtig für diese physiotherapeutischen Maßnahmen ist eine gute Kenntnis der Anatomie und vor allen Dingen ein gutes Palpationsvermögen (Fühlen) mit der Hand. Nicht die Kraft macht den Behandlungserfolg aus sondern das sensible Fühlen und Bewegen mit dem Verständnis für die unterschiedlichen Gewebestrukturen. Bis zum Knochen müssen alle Gewebeschichten eine gute Mobilität aufweisen, um den Muskel optimal ernähren und bewegen zu können.