Aus aktuellem Anlass und mit Genehmigung der Chefredakteurin veröffentlichen wir hier das Editorial der “Pferde Sport International”, Ausgabe 18 vom 09. August 2008. Es ist außerordentlich bedenklich, welche Richtung die internationale Reiterliche Vereinigung FEI einschlägt und diese Informationen wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.
Editorial der “Pferde Sport International”, Ausgabe 18 vom 09. August 2008, mit freundlicher Genehmigung.
Nun wurde also auch der Chef-Veterinär entlassen. Eine gute Woche vor Beginn der Olympischen Spiele trennte sich der Weltverband FEI von Frits Sluyter. Ohne Angabe einer Begründung übrigens. Hinter den Kulissen wird der unfreiwillige Weggang des seit einem Jahrzehnt in Diensten des Weltverbandes stehenden Tierarztes sowohl mit familiären Schwierigkeiten erklärt, als auch mit seinem zunehmend stärker gewordenen Widerstand gegen die FEI-Dopingpolitik. So kommt der ehrenamtlich tätige Chef des Veterinär-Komitees, John McEwen, in den Genuss, nach Hongkong zu reisen. Mit dem Kofferpacken ließ er sich allerdings Zeit, flog erst Tage nach Ankunft der Pferde nach Asien.
Doch zurück zu Frits Sluyter. Er ist gewiss nicht der Letzte, der bei der FEI scheitert. Michael Stone, der Generalsekretär wurde vor einigen Monaten abserviert, weil zwischen ihm und der Präsidentin des Verbandes, Prinzessin Haya, unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten beklagt wurden. Der weitgehend in der Öffentlichkeit unbekannte Finanzchef der FEI schmiss ebenso vor kurzem das Handtuch, ebenso der gleichfalls unbekannte Kommunikationsdirektor. Der Sportchef der FEI, der Deutsche Harald Müller, wurde kurzerhand entmachtet, er ist jetzt nur noch fürs Developement zuständig. Zum neuen Sportdirektor des Verbandes kürte die FEI den britischen David Holmes. Er arbeitet zuvor im britischen Verteidigungsministerium. Man könnte noch viele Namen aufzählen.
Die schöne und charmante Prinzessin Haya hat die Organisation fest im Griff. Ihre Macht konnte sie allein schon deshalb immer weiter ausbauen, weil der Weltverband ihren Geschenken nicht widerstehen wollte. Zugegeben, die Räumlichkeiten im Lausanner Verwaltungsgebäude sind nicht ideal und die Miete hoch. Aber ist das ein Grund, sich von der Präsidentin und Gattin des Herrschers der Arabischen Emirate ein wunderschönes neues Gebäude am Genfer See schenken zu lassen? Die letzten Renovierungsarbeiten werden in diesen Wochen abgeschlossen, im Herbst zieht die FEI um und hat sich damit auf immer dem Vorwurf der Käuflichkeit ausgesetzt. Mit fachlich kompetenten Handeln und Unabhängigkeit im Dienst dieses Pferdesports hat das nichts zu tun.
Vielleicht kommen nur viele unglückliche Faktoren zusammen: Einerseits eine machtbesessene Präsidentin, sich in der arabischen Welt das Profil der erfolgreichen Frau zulegen will, andererseits schwache Mitarbeiter bei der FEI, die nicht so recht wissen, in welche Richtung sich die Organisation entwickeln soll. Gute Anzeichen für die Zukunft des so oft beschworenen starken Weltverbandes sehen in jedem Falle anders aus.